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Aktuelles aus der Presse

Massive Anstrengungen nötig

Ärztemangel. Es gibt kein Interesse an genossenschaftlich geführten Praxen, aber an einer Dienstleistungsgenossenschaft, die administrative Aufgaben übernimmt. Von Birgit Trinkle

Es ist eine alte Geschichte, doch immer neu ein Ärgernis. Mehr noch, ein Hemmschuh für die Entwicklung des ländlichen Raumes: Junge Ärztinnen und Ärzte zieht es in die großen Städte. Es wird immer schwieriger, Arztsitze in Crailsheim und in den umliegenden Gemeinden zu besetzen – dabei steht der eigentliche Generationswechsel erst an.

Der drohenden medizinischen Unterversorgung wird mit immer neuen Maßnahmen begegnet. Hier wird Kinderbetreuung garantiert und der Ehefrau oder dem Ehemann bei der Jobsuche unter die Arme gegriffen, dort gibt es andere Ansätze zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder gleich ein Ärztezentrum mit angestellten Ärztinnen und Ärzten, die ihre Freizeit schätzen und Verantwortung und nicht zuletzt den bürokratischen Aufwand der Selbstständigkeit scheuen.

Es geht uns um Versorgung der Patienten, wir wollen die nicht im Regen stehen lassen.

Dr. Helmut KoppVorsitzender der Ärzteschaft

Störende Bürokratie

Dr. Helmut Kopp, Crailsheimer Allgemeinmediziner und Vorsitzender der Kreisärzteschaft, weiß nur über Patienten und Angehörige von Fällen, in denen es nicht gelungen ist, einen Hausarzt, eine Hausärztin zu finden. Von der Kassenärztlichen Vereinigung gebe es da keine Rückmeldungen, Statistiken sagten nicht alles aus. Im MVZ, medizinisches Versorgungszentrum des Landkreises, das am Klinikum angesiedelt ist, müsste es Termine geben: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es im Notfall keinen Arzt gibt.“

Das Problem ist bekannt

Seit über zehn Jahren sei dem Vorstand der Ärzteschaft das Problem aber bewusst. Kopp: „Es geht uns um Versorgung der Patienten, wir wollen die nicht im Regen stehen lassen. Mir liegt sehr viel daran, dass wir eine gute Struktur kriegen.“ Das bedürfe massiver Anstrengung von allen Seiten.

„Wir sind rumgereist, haben mit Universitäten gesprochen, Vorträge bei Medizinstudenten gehalten und an den Kliniken mit PJ-lern gesprochen, Studierenden im Praktischen Jahr. Ohne nennenswerten Erfolg. Vielversprechender sei ein Projekt im Kinzigtal, das man sich angeschaut habe: Über Vergütungsanreize im Modellversuch sowie durch weniger administrative Belastung würden dort sehr erfolgreich junge Ärzte aufs Land gelockt.

Gerade der bürokratische Aufwand, so Kopp, sei für Kassenärzte unerträglich geworden: „Das macht mittlerweile ein Drittel der ärztlichen Arbeitszeit aus.“ Genau hier setze ein vielversprechender Vorschlag an.

Die als „Magisches Dreieck“ seit über zehn Jahren zusammenarbeitenden Städte Crailsheim, Dinkelsbühl, Ellwangen sowie elf weitere Gemeinden haben sich insbesondere dem Modellprojekt „Genossenschaftliche Hausarztmodelle“ gewidmet. Das Modell sei eingehend diskutiert worden, „aber in ersten Gesprächen war keiner so wirklich interessiert, einzusteigen und das in die Hand zu nehmen“, so Kopp. Viel aussichtsreicher sei es wohl, „wenn wir uns niederschwellig zusammentun und bestimmte Aufgaben bündeln, vergleichbar einem Stationssekretariat im Klinikum“. Als Beispiele nannte er Personalsuche, Bestellungen, grundsätzlich Verwaltungsangelegenheiten. Funktioniere in diesen Bereichen eine Zusammenarbeit, gebe es dann im weiteren Verlauf vielleicht Kollegen, die sich vorstellen könnten, doch tiefer ins genossenschaftliche Modell einzusteigen. Die Bewerbung für dieses Modellprojekt läuft.

Zurück in die Heimat

Für Crailsheim könne die „IG Doc“ nach jahrelangen Bemühungen in unterschiedliche Richtungen sagen, dass vor allem „junge Kollegen, die hier verwurzelt sind, hierherkommen“. Dafür müsse mehr geworben werden. Wenn die Bevölkerung eine vernünftige Versorgung wolle, tue sie gut daran, „im Bekanntenkreis zu schauen, wer Medizin studiert, und dann dafür zu werben, dass die jungen Leute zurück in die Heimat kommen“. Auch die Ärzteschaft sei „gerne bereit mit denen zu reden und zu schauen, was man für sie tun kann“. Einen guten Start bieten, das sei entscheidend. Deshalb brauchten die niedergelassenen Ärzte auch eine Weiterbildungsberechtigung, um Jungärzten eine komplette Facharztausbildung vor Ort anbieten zu können. Schwierig bleibe das Ganze dennoch: „Junge Familien wollen in die Stadt.“

Info. Im Projekt „Land Arzt Leben Lieben“ gibt’s vom 18. bis 20. Oktober Aktionstage in Hall, um Medizinstudenten und Jungmedizinern die Arbeit im Landkreis schmackhaft zu machen und um herauszufinden, was junge Ärztinnen und Ärzte in erster Linie wollen.

Hohenloher Tagblatt / 25.09.2019