Klinikum Crailsheim

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Aktuelles aus der Presse

"Druck machen"

„Druck auf Bund, Land und Krankenkassen machen“

Das Klinikum Crailsheim schreibt rote Zahlen. Kreisräte diskutieren die Situation und kritisieren unter anderem, dass Wachstum bestraft wird. Von Marcus Haas

Die Patientenzahl nimmt zu, die Leistung wächst, das Haus ist ausgelastet, aber der Verlust steigt“, macht Helga Hartleitner mit Blick auf das Kreisklinikum Crailsheim das Dilemma deutlich. Das Thema löst im Kreistag in der Stein- äckerhalle in Michelfeld Diskussion aus. Die SPD-Kreisrätin schüttelt vor allem beim Thema Mehrmengenabschläge den Kopf, die „Wachstum bestrafen“. Diese machen allein 1,2 Millionen Euro aus und lassen das Defizit des Kreisklinikums Crailsheim auf rund 2,05 Millionen Euro steigen.

Damit liegt der Jahresverlust 2016 um rund 400 000 Euro schlechter als geplant, erläutert Wirtschaftsprüfer Holger Schäfer. Prognose für die nächsten Jahre: Das Minus im Betriebsergebnis wächst. Dabei wurde erst ein neues Krankenhausstrukturgesetz auf den Weg gebracht. Bund, Land und Krankenkassen würden aber für keine auskömmliche Finanzierung sorgen, das überdurchschnittliche Lohnniveau in der Pflege und die überdurchschnittliche Anzahl an Pflegekräften blieben unberücksichtigt, so Landrat Gerhard Bauer.

Aus Sicht Hartleitners gibt es weiteren Veränderungsbedarf, da das Gesundheitssystem kranke. Sie empfiehlt, „über die heimischen Bundestags- und Landtagsabgeordneten Druck zu machen“. Das sieht Jens Zielosko ähnlich. Der CDU-Kreisrat betont, dass die Höhe des Defizits nicht eine Diskussion um die Existenz des Klinikums rechtfertige. Es werde gute Arbeit geleistet. Der Kreisrat setzt das Defizit von rund zwei Millionen Euro in Relation zur Einwohnerzahl des Landkreises Schwäbisch Hall und kommt auf rund zehn Euro, die jeder Bürger als Anteil am Krankenhausdefizit aufbringen müsse. Bei den Kindergärten seien es 190 Euro, im Bereich der sozialen Hilfen 450 Euro pro Einwohner, um Defizite auszugleichen, vergleicht der Kreisrat. Die Gründe seien nicht hausgemacht, sondern in den politischen Rahmenbedingungen zu finden, die die Probleme der dualen Krankenfinanzierung nicht lösen.

Vergleich mit anderen Kliniken

Hermann-Josef Pelgrim fragt nach einem Benchmark, einem Vergleichsmaßstab mit anderen Kliniken. Der SPD-Kreisrat macht darauf aufmerksam, dass sich das Defizit des Kreisklinikums in Richtung fünf Millionen Euro pro Jahr entwickle, da zum Betriebsverlust noch die Kosten für den Neubau dazuzurechnen seien – den der Landkreis zum Teil abbezahlen muss, weil das Land die Investitionskosten nicht voll trägt. Es sei mit dem Ziel gestartet worden, die Null-Position zu erreichen. Wirtschaftsprüfer Holger Schäfer erklärt, dass es für einen Vergleichsmaßstab für 2016 noch an einer Datenbasis fehle. „Das machen wir im Aufsichtsrat“, antwortet Landrat Bauer, der Aufsichtsratsvorsitzende des Kreisklinikums Crailsheim ist kürzlich als Mitglied in den Aufsichtsrat des Diakonieklinikums in Hall gewählt worden. Er prophezeit: Wenn die Ergebnisse aus den Kliniken der Nachbarkreise vorliegen, „wird sich zeigen, dass wir nicht schlecht liegen“.

„Das Krankenhaus in Crailsheim wird gebraucht“, sagt Wilfried Kraft (Grüne). Bei einem Vergleich mit anderen Häusern käme kein Sparpotenzial von rund zwei Millionen Euro heraus. Das Klinikum Crailsheim stünde noch relativ gut da, denn die Häuser der Grund- und Regelversorgung würden die schwarze Null im Betrieb einfach nicht schaffen. „So geht es nicht weiter“, so der Kreisrat. Er sieht den Ausweg auch darin, „Druck auf Bund, Land und Krankenkassen zu machen“. Die seien dafür zuständig, die Situation zu verbessern.

Besserung nicht in Sicht

Kommentar Marcus Haas zum Thema Defizit Kreisklinikum

Die Aussichten sind düster, und die Diskussion scheint in einer Endlosschleife zu sein. Wenn es im Kreistag um die Jahresbilanz des Kreisklinikums geht, dann sehen die Räte rot. Das Defizit von Betrieb und Abzahlung der Neubauinvestition wächst in Richtung fünf Millionen Euro pro Jahr. Besserung ist nicht in Sicht. Der Landkreis springt als Träger ein und zahlt, holt sich das Geld über die Kreisumlage von den Kommunen, von den Bürgern zurück. Den Bürgern muss es die Gesundheitsversorgung im Kreis wert sein, denn es bleibt nichts anderes übrig. Der Landkreis hat mit dem Kreisklinikum als Grund- und Regelversorger einen Auftrag und kann nicht einfach die Türen schließen, um Mehrleistungen zu vermeiden. Das strukturelle Problem wurde auch mit der Reform des Krankenhausstrukturgesetzes nicht gelöst. Die duale Krankenhausfinanzierung krankt weiter, und die Veränderungsmöglichkeiten auf Kreisebene sind eher gering.

Haller Tagblatt / Hohenloher Tagblatt / Rundschau Gaildorf / 04.08.2017 / Marcus Haas

Das Klinikum in Crailsheim musste zuletzt ein Defizit von 2,05 Millionen Euro verkraften - 400?000 Euro mehr als geplant. Das sorgte im Kreistag für Diskussionen. 
Archivfoto: Ufuk Arslan
Das Klinikum in Crailsheim musste zuletzt ein Defizit von 2,05 Millionen Euro verkraften - 400?000 Euro mehr als geplant. Das sorgte im Kreistag für Diskussionen.
Archivfoto: Ufuk Arslan