Klinikum Crailsheim

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Aktuelles aus der Presse

Das Chamäleon

Auf großes Interesse stößt ein Informationsabend zum Thema Endometriose in Crailsheim. Das Klinikum ist seit mehreren Jahren als Endometriosezentrum zertifiziert. Von Julia Vogelmann

„Endometriose ist eine sehr tückische Krankheit“, eröffnete Monica Diac, Chefärztin der Frauenklinik im Klinikum die Gesprächsrunde am Donnerstag. Geladen waren neben den Endometriosespezialisten der hauseigenen Frauenklinik mit Ursula Leinemann eine Vertreterin der Endometrioseliga als Moderatorin sowie Fertilitätsexpertin Birgit Schröppel vom Kinderwunschzentrum Aalen. Dazu berichteten zwei junge Frauen, die unter Endometriose leiden, von ihren Erfahrungen mit der Krankheit.

Wie diese sich äußert und wie Diagnose und Behandlung in der Regel aussehen, umriss Monica Diac. Die Krankheit, bei der sich Gewebe ähnlich dem der Gebärmutterschleimhaut an verschiedenen Stellen im Unterleib der Frau ansiedelt, betrifft immerhin zwischen vier und sechs Millionen Frauen allein in Deutschland. Oft dauert es Jahre, im Durchschnitt sechs bis acht, bis eine eindeutige Diagnose gestellt werden kann. Bis dahin leiden die Frauen an unterschiedlichsten Symptomen. „Endometriose hat sehr viele Facetten.“

„Manche haben gar keine Beschwerden, andere sehr starke“, fasste Diac zusammen und nannte Symptome wie starke Regelschmerzen, chronische Unterbauchschmerzen, Schmerzen im Rücken oder beim Geschlechtsverkehr, aber auch Darm- oder Magenbeschwerden, Ohnmacht und ungewollte Kinderlosigkeit als mögliche Anzeichen. Dabei kam auch zur Sprache, dass eine familiäre Häufung inzwischen nachgewiesen ist. Was der Auslöser für die Krankheit ist, kann wissenschaftlich nicht eindeutig belegt werden. „Es gibt nur Theorien“, so Diac.

Im Fokus der Diskussion stand deshalb nicht die Ursachenforschung, sondern welchen Weg Frauen gehen können, wenn Endometriose eine mögliche Diagnose für Beschwerden sein kann. Vorgestellt wurde die Endometriosesprechstunde vom leitenden Oberarzt Balinth Balog und seinen Kollegen Sandor Jonas. Sie präsentierten auch die für die Diagnose notwendige Laparoskopie, also Bauchspiegelung. „Wir versuchen bei der Anamnese standardisiert zu arbeiten anhand von Fragebögen, Gesprächen und Untersuchungen“, so Balogh. Er sprach auch das umfassende Spezialisten-Netzwerk an, auf das das Klinikum zurückgreifen kann.

Zwei Patientinnen berichten

Auch die medikamentöse Behandlung mit Hormonpräparaten und die unterschiedlichen Wirkweisen wurden besprochen. Einen weiteren Schwerpunkt legten die Ärzte auf den psychischen Teil, den die Krankheit mit sich bringt. Hier berichteten die beiden Patientinnen von ihren Erfahrungen mit der Reaktion ihres Umfelds und dem eigenen Umgang mit der Krankheit, die übrigens mit den Wechseljahren von selbst abklingt. Großer Wert wurde auf die Reha-Maßnahmen gelegt, die erkrankten Frauen beim langfristigen Umgang mit der Krankheit helfen können.
Da sich Endometriose auf das gebärfähige Alter der Frau beschränkt, hat sie auch Einfluss auf die Familienplanung. Ungewollte Kinderlosigkeit ist eines der möglichen Symptome, unter dem viele Frauen leiden. „Man muss keine so große Angst haben, keine Kinder bekommen zu können mit Endometriose“, beruhigte Fertilitätsexpertin Schröppel und erläuterte ausführlich, welche Möglichkeiten es für erkrankte Frauen gibt, sich den Kinderwunsch mithilfe von künstlicher Befruchtung und Hormonbehandlung zu erfüllen. Auch die Möglichkeit, Kinder auf natürlichem Wege zu empfangen, stellte sie als nicht unerreichbar in den Raum.
Untermauert wurde dies von den beiden strahlenden Patientinnen, die eine hochschwanger, die andere mit Blick auf ihr offensichtlich munteres Kind in der ersten Reihe. Ein positiver Ausblick, auch wenn die Krankheit nicht geheilt werden kann, sondern nur gelindert.

Hohenloher Tagblatt / 03.05.2018 / Julia Vogelmann

Die Expertenrunde stand nach der Diskussion noch für Fragen aus dem Publikum im Klinikum zur Verfügung. 
Foto: Julia Vogelmann
Die Expertenrunde stand nach der Diskussion noch für Fragen aus dem Publikum im Klinikum zur Verfügung.
Foto: Julia Vogelmann