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Aktuelles aus der Presse

"Die Tür bleibt weit offen"

Gesundheitsversorgung. Verantwortliche von Kreis und Diak treffen sich am vergangenen Mittwoch. Sie diskutieren Möglichkeiten einer Partnerschaft. Es geht um Anträge und Formen der Zusammenarbeit. Von Marcus Haas

Die Chefs der Diakonie Neuendettelsau und des Diakoniewerks wollen die große Fusion, ein neues Unternehmen gründen. Landrat Gerhard Bauer favorisiert eine Krankenhausbetriebsgesellschaft, die zu gleichen Teilen vom Evangelischen Diakoniewerk und dem Landkreis getragen werden soll. Das ist die Ausgangssituation für die Diskussion am vergangenen Mittwoch im Landratsamt.

Im Gespräch geht es um die Gesundheitsversorgung im Landkreis, um Diak-Anträge, um mögliche Formen der Zusammenarbeit oder Beteiligung des Landkreises. Am Tisch sitzen Landrat Gerhard Bauer, Kreisklinikum- Geschäftsführer Werner Schmidt, Diak-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Werner Schwartz, Diak-Vorstandsvorsitzender Michael Kilb und Dr. Peter Haun, kaufmännischer Direktor des Diakonie-Klinikums. Das Kernergebnis teilen Bauer und Kilb in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit: „Die Vertragspartner sind sich darüber einig, dass sie auf Wunsch des Diaks zeitnah gemeinsam die Fraktionsvorsitzenden des Kreistages einladen.“ Die Diak-Verantwortlichen werden über Zahlen und Daten informieren. Unabhängig von einem möglichen Zusammenschluss der Diakonie Neuendettelsau mit dem Diak in Schwäbisch Hall sollen weiter Gespräche geführt werden. „Die Tür bleibt weit offen, selbst wenn es zu einer großen Fusion zwischen den Diakoniewerken Schwäbisch Hall und Neuendettelsau kommt“, erläutert Diak-Chef Kilb auf Nachfrage. Der Landkreis sei bei einer großen Fusion nicht raus, sondern unabhängig davon würden dann weiter Gespräche bezüglich der Diak-Anträge oder einer Beteiligung des Landkreises an einer gemeinsamen Gesellschaft geführt.

Augenhöhe über Inhalte

Kilb will Augenhöhe mit dem Kreis herstellen, ohne auf genaue Prozentzahlen zu schauen, sondern Augenhöhe von Inhalten in einer Vereinbarung abhängig machen. „Wir müssen davon ausgehen, dass das Evangelische Diakoniewerk keine Beteiligung zu gleichen Anteilen eingehen will. Andererseits wird eine Fortsetzung und Stärkung der Zusammenarbeit von Diakonie-Klinikum und Klinikum Crailsheim gewünscht“, erläutert Landrat Gerhard Bauer auf Nachfrage.

Bei einer Beteiligung von 50 zu 50 wäre klar, dass beide Gesellschafter gemeinsam entscheiden. „Ich sehe keinen Grund, warum das nicht möglich sein soll“, teilt er mit. Es gebe mit der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung im ganzen Landkreis ein gemeinsames Interesse. Konkreteres gebe es erst, wenn über die große Fusion entschieden sei

Chronologie: Auf dem Weg zum Partner

Im Juli 2018 geben die Diak-Verantwortlichen bekannt, dass aktiv mit möglichen Partnern gesprochen wird. Hintergrund: Der zweite Neubauabschnitt kann nicht mehr aus eigener wirtschaftlicher Kraft he raus gestemmt werden, es fehlen voraussichtlich rund 30 Millionen Euro an Eigenmitteln. Neben dem Landkreis wird die Diakonie Neuendettelsau in Mittelfranken genannt – Wege einer unternehmerisch engen Zusammenarbeit mit dem größeren diakonischen Träger werden geprüft.

Im November stellt Diak-Chef Michael Kilb einen Antrag an den Landkreis. Es geht um einen Investitionszuschuss von 30,8 Millionen Euro für den zweiten Neubauabschnitt, da das Diak auch für 60 Prozent der Kreisbevölkerung die Grund- und Regelversorgung sicherstelle, was eigentlich die Aufgabe des Landkreises sei. Geld, das mit 2,2 Millionen Euro pro Jahr über einen Zeitraum von 14 Jahren fürs Diakonie- Klinikum vom Kreis zur Verfügung gestellt werden soll, ohne je zurückgezahlt werden zu müssen. In einem weiteren Diak-Antrag geht es um rund eine Million Euro vom Kreis fürs Diakonie- Klinikum, um medizinische Geräte zu beschaffen. Eine öffentliche Diskussion im Kreistag beginnt.

Im Januar 2019 machen die Verantwortlichen der beiden diakonischen Werke in Schwäbisch Hall und Neuendettelsau deutlich, dass sie die große Fusion wollen – ein neues Unternehmen soll entstehen. Landrat Gerhard Bauer favorisiert das Modell einer gemeinsamen Krankenhausbetriebsgesellschaft von Landkreis und Diak.

Mitte März sollen die Aufsichtsgremien der beiden Werke entschieden haben, ob es eine große Fusion der beiden Häuser gibt. Am 25. März ist eine nicht öffentliche Sondersitzung des Kreistags geplant. Eine Entscheidung des Kreistags beispielsweise zum Diak-Antrag soll frühestens zwei Tage später in der öffentlichen Sitzung fallen.  cus

Pro & Contra

Ist der Kreis der richtige Partner?

Diak und Landkreis führen Gespräche fort. Eine große Fusion mit der Diakonie Neuendettelsau steht im Raum.

Pro
Marcus Haas
Chefredakteur

Eine große Fusion mit einem dreimal so großen Diakoniewerk in Mittelfranken für Geld und ein paar Verbundvorteile? Nein, die Haller Lösung mit dem Partner Landkreis ist fürs Diak besser. Wa rum? Weil dann Eigenständigkeit, Entscheidungs- und Handlungsfreiheit vor Ort bleiben und nicht an ein neues Unternehmen mit fernem Sitz abgegeben werden, weil die entscheidenden Akteure vor Ort eine gemeinsame und nachhaltige medizinische Gesamtstrategie für die bestmögliche Gesundheitsversorgung der Zukunft entwickeln können, weil die Finanzierung des Neubaus vollends gesichert ist. Die diakonische Fahne bleibt auch in einer gemeinsamen Gesellschaft mit dem Landkreis oben. Weiteres klären Vereinbarungen. Der Zentralversorger Diak bekommt mehr Luft für Erlösquellen, für Exzellenzmedizin, für stärkere Partner wie Maximalversorger. Was fehlt, ist ein visionärer Geschäftsführer, der eine Gesundheitsversorgung der Zukunft nach vorne bringt. Der wird auch noch gefunden.
 
Contra
Thobias Würth
Redakteur

Das Diak, das weiterhin schwarze Zahlen schreibt, sollte nicht mit der defizitären Crailsheimer Klinik fusionieren. Rund sechs Millionen versenkt der Kreis jährlich im Kreisklinikum. Allein diese Zahl zeigt doch: Diese Partnerin ist als Braut nicht hübsch genug. Jeder Steuerzahler im Landkreis sollte sich die Frage stellen: Wie viel zusätzliches Geld soll noch aus der Region in die Kliniken gepumpt werden? Wozu bezahlen wir eigentlich Krankenversicherungsbeiträge? Wie sähe eine gemeinsame Krankenhausgesellschaft denn aus? Die Erfahrungen aus der unsäglichen Kooperation von Hall und Crailsheim von einst haben gezeigt, dass die Gewinne aus dem Diak (die sicherlich auch nicht mehr so sprudeln wie früher) dem Haus in Hall nicht mehr zur Verfügung standen. Das endete in Chaos und Streit. Der häufige Personalwechsel hat dem Diak auch nicht gutgetan. Daher stellt die Diakonie Neuendettelsau als großer Bruder aus der kirchlichen Familie eine einzigartige Chance für die Zukunft dar.

Haller Tagblatt / 02.02.2019

Ärzte werten Bilder im Herzkatheterlabor in der Klinik Neuendettelsau aus. 
Foto: Diakonie Neuendettelsau
Ärzte werten Bilder im Herzkatheterlabor in der Klinik Neuendettelsau aus.
Foto: Diakonie Neuendettelsau